Regeln

Anders als eine „normale“ Diskussion ist die Debatte ein durch klare Regeln strukturierter Meinungsaustausch.  Diese Regeln sollen in erster Linie gewährleisten, dass allen Rednerinnen und Rednern einer Debatte die selbe Redezeit zur Verfügung steht, dass alle Seiten (Pro und Contra) gleichberechtigt gehört werden, und dass nicht einfach derjenige sich durchsetzt, der am lautesten gebrüllt hat.

Die beiden Seiten, Pro und Contra, werden häufig auch als Regierung und Opposition bezeichnet. Dies sollte jedoch nicht zu dem Fehlschluss führen, dass in der Debatte „Parlament gespielt“ wird. Pro und Contra sind nicht etwa „die Bundesregierung“ oder „die Landtagsopposition“. Es sind einfach nur Redner, die für oder gegen eine Frage Stellung beziehen.

Der Debating Club Heidelberg debattiert meistens nach den Regeln der „Offenen Parlamentarischen Debatte“ (OPD). Hinweise zu weiteren Regeln finden Sie unten auf dieser Seite.

 

Offene Parlamentarische Debatte (OPD)

Zwei Teams mit jeweils drei Rednern treten gegeneinander an. Die Redner der Pro-Fraktion und der Kontra-Fraktion haben jeweils sieben Minuten Redezeit, um ihre Argumente vorzutragen. Erst 15 Minuten vor der Debatte wird ihnen das Thema der Debatte bekanntgegeben und per Los entschieden, welches Team Pro oder Contra vertreten muss.

Die Regierung muss zu dem gegebenen Thema einen konkreten Antrag stellen, der auf eine Änderung des Status-quo abzielt. Die Opposition soll hingegen den Status-quo verteidigen und kann gegebenenfalls auf alternative Lösungen hinweisen. Nachdem abwechselnd die Eröffnungs- und Ergänzungsredner beider Seiten ihre Standpunkte dargelegt haben, kommen die „Fraktionsfreien Redner“ ins Spiel. Sie gehören weder der Pro-Seite noch der Contra-Seite an, können ihren Standpunkt also frei wählen, haben für ihre Argumente aber nur 3,5 Minuten Redezeit. Die Schlussredner der Fraktionen können die Debatte dann für ihre Seite noch einmal möglichst zuspitzend zusammenfassen.

Kritische Zwischenfragen und wohl dosierte Zwischenrufe der Redner sind erlaubt und erwünscht.

Ein Präsident überwacht die Debatte. Er gibt mit einem Hammer Klopfzeichen, um die abgelaufene Redezeit anzuzeigen, und wird bei schweren Regelverstößen (z. B.  bei Argumenten „unter der Gürtellinie“) mit einer Glocke zur Ordnung rufen.

Vervollständigt wird die Debatte durch eine Jury. Auf den Turnieren kürt sie nach der Debatte einen Sieger. In den wöchentlichen Clubdebatten ist sie verantwortlich für das Feedback an die Rednerinnen und Redner. In einem ausgewogenen Bewertungsverfahren werden dabei inhaltliche und strukturelle Kriterien, rhetorische Komponenten, der Kontakt zu Gegnern und Publikum sowie das Teamplay berücksichtigt. Dieses Feedback ermöglicht es den Teilnehmern, Unsicherheiten zu überwinden, Stärken auszubauen und schnell Fortschritte zu machen.

Aufstellung der Offen Parlamentarischen Debatte
Grafik: Aufstellung und Ablauf einer OPD-Debatte. Die Ziffern in den Kreisen geben an, in welcher Reihenfolge die Redner sprechen.

 

Download:
Kurzregeln der Offenen Parlamentarischen Debatte (Stand: August 2011. PDF, 200 KB)

Das Format OPD wurde vom Tübinger Debattierclub Streitkultur e.V. entwickelt. Zahlreiche weitere Unterlagen, u.a. einen ausführlichen Leitfaden zum Bewerten einer OPD-Debatte, finden sich auf den Service-Seiten der Streitkultur .

Ein ausführliches Handbuch zur OPD ist online einzusehen bei Google-Books.

 

British Parliamentary Style (BPS)

Neben OPD ist der British Parliamentary Style (BPS oder kurz „BP“) ein weit verbreitetes Debattierformat. Hier treten vier Teams mit jeweils zwei Rednern gegeneinander an: die Eröffnende Regierung und die Schließende Regierung für die Pro-Seite, die Eröffnende Opposition und die Schließende Opposition für die Contra-Seite. Dieses Format bietet vor allem für die Schulung von Argumentationsstrategie und –taktik zahlreiche Herausforderungen, da die schließenden Teams ein klares eigenes Profil entwickeln müssen, ohne sich dabei in Widerspruch zu den eröffnenden Teams begeben dürfen.

Grafik: Aufstellung und Ablauf einer BPS-Debatte. Die Ziffern in den Kreisen geben an, in welcher Reihenfolge die Redner sprechen.

 

BPS ist auch der maßgebliche Standard auf den englischsprachigen Welt- und Europameisterschaften im Hochschuldebattieren.

Download:
Regeln des British Parliamentary Style (Stand: Mai 2012. PDF, 30 KB)

 

Das Wartburg-Format

In dem von der Debattiergesellschaft Jena e.V. und dem Verein Wortfechter Erfurt entwickelten Format stehen sich zwei Seiten mit jeweils drei Rednern gegenüber. Der wichtigste Unterschied zu OPD und BPS: Es gibt keinen Antrag, der auf eine Änderung des Status-quo zielen würde. Somit können auch ganz offene Thesen debattiert werden, z. B. „Gibt es Gott?“ oder „Ist der Kapitalismus am Ende?“.

Download:
Kommentierte Regeln des Wartburg-Formats (PDF, 350 KB)

 

Regeln speziell für Schülerdebatten

 

Links zu weiteren Regelformaten

 

Literatur-Tipp

Eine knappe Einführung mit Erklärung der jeweiligen Regeln und Jurierkriterien verschiedener nationaler und internationaler Regelformate gibt: Bartsch, Tim C./Hoppmann, Michael/Rex, Bernd, Was ist Debatte? Ein internationaler Überblick, Göttingen 2005.

 

 

 

 

 

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