Debattieren als Sport



"Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.
Sagen Sie das mal mit einem Bild!"

 

Es  müssen nicht gleich tausend Worte sein, aber jeder der schon einmal in der Situation war, eine kompliziertes Argument verständlich zu kommunizieren, der kennt die Herausforderung: Wie hole ich meinen Zuhörer dort ab wo er steht, nehme ihn mit, und führe ihn mit Worten zu meiner Idee?

 

Jeder der schon einmal in der Situation war, eine wichtige Rede oder Präsentation ohne viel Vorbereitung vor einem großen Auditorium zu halten, der weiß wie schwierig es sein kann, die Souveränität im Umgang mit der eigenen Stimme zu behalten. Schon einfache Gedankengänge und Argumentketten, die noch in der Vorbereitung klar und deutlich waren, werden angesichts eines anwesenden Publikums zu hermeneutischen Trampelpfaden. 
 

Dies muss nicht so sein. Gute Redner werden nicht geboren, sondern trainiert. Selbst Demosthenes lispelte, King George VI. stotterte und Winston Churchill lispelte und stotterte gleichzeitig. Beim Debattieren kann das freie, spontane Reden im geregelten Rahmen und in ungezwungener Atmosphäre geübt werden. Wir trainieren das deduktives Argumentieren und Widerlegen der Gegenseite. Eine Debatte verläuft nach festen Regeln, welche jedem Redner feste Redezeiten zuweisen, ganz wie in einem Parlament. Durch das Debattieren wird eine lebendige Rede- und Streitkultur - Grundlage einer jeden demokratischen und pluralistischen Gesellschaft - gefördert. Darüber hinaus werden argumentative Schärfe sowie Verhandlungsgeschick und Überzeugungskraft geschult. Das Fehlen dieser sogenannten "Schlüsselfähigkeiten" wird von Arbeitgebern aller Berufe immer wieder bemängelt.
 
Redepositionen, also die Frage wer Fürsprecher in einer Streitfrage ist, und wer für die Oppositionsseite redet, werden per Zufall entschieden. So wird sichergestellt, dass bisheriges Wissen und vorgeprägte Meinungen keinen zu großen Einfluss auf die Debatte haben. So kann es passieren, dass z.b. ein motivierter Verteidiger der Atomkraft sich auf der Seite der Atomkraftgegner wiederfindet. Dies hat den positiven Nebeneffekt, dass die Teilnehmer sich oft in andere Positionen hineinversetzen müssen und ein Verständnis für die jeweils andere Seite entwickeln müssen. Wir debattieren über alle möglichen Themen aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, wobei die Unabhängigkeit und Überparteilichkeit unsere obersten Prinzipien sind. Dies hält uns jedoch keineswegs davon ab, auch brisante und gesellschaftlich umstrittene Themen zu debattieren. 

 
Warum ist Debattieren ein Sport?
 
Wir verstehen das Debattieren als Sport. Nicht etwa weil wir uns gerne streiten.  Sondern weil wir glauben, dass das Debattieren zwei wichtige Lektionen zur Persönlichkeitsbildung umfasst, welchen wir uns spielerisch und ungezwungen nähern. Auftreten, Überzeugungskraft und Selbstsicherheit unter Druck können im Rahmen einer geregelten Diskussion ausgebaut werden. Dazu führt die Beschäftigung mit Themen außerhalb des eigenen Studienschwerpunktes zu einer thematischen Weitsicht und Verständnis für viele mögliche Sichten auf verschiedene politische und soziale Problemstellungen.   
 
Das Debattieren ist an deutschsprachigen Universitäten seit den 90er Jahren stark gewachsen. Diese ursprüngliche angelsächsische Tradition ist international seit einigen Jahrzehnten ein Eckpfeiler der Ausbildung in vielen Universitäten. Es gibt zahlreiche verschiedene Regelwerke, Debattenformen und Institutionen, u.a. auch für Schüler und Universitätsabsolventen. Wer einen bewegten Eindruck des Debattierens bekommen möchte, dem sei empfohlen mit den Stichwörtern "Debattieren, Meisterschaft", "Debating, Championship" das bevorzugte Videoportal (wie z.b. youtube.de) zu befragen.
 
Wer auch immer Lust hat, sich einen Debattierclub vor Ort anzuschauen, um eine Debatte "live" mitzuerleben, sollte sich von einem jedoch nicht abschrecken lassen: dem Glaube, dass die anderen alle viel besser sind. Wir alle treffen uns, um unsere rednerischen Schwächen abzulegen und unsere Stärken zu trainieren. Dabei wird kein Wert auf "glatt geschliffene" Rhetorik gelegt, wenngleich unser Verein einen gewissen akademischen Anspruch erhebt. Das Thema der nächsten Debatte kündigen wir jede Woche in unserem Newsletter an.
 
Eine detaillierte Vorstellung verschiedener Regelformate findet ihr hier.
 
Am besten Ihr schaut einfach vorbei. Interessenten aller Fachbereiche sind herzlich willkommen!

 

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